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Zahlen & Kontext

Über Schwangerschaftsabbrüche wird viel geschwiegen. Dabei ist es eine Realität, die viele Frauen in Deutschland kennen. Die Zahlen hier sollen nicht erschrecken und nicht belehren — sie sollen zeigen: Du bist nicht allein. Und du bist in guter Gesellschaft, was immer du entscheidest.

Abschnitt 1

Wie viele Frauen in Deutschland?

Die Grundzahl

Im Jahr 2022 wurden in Deutschland 104.080 Schwangerschaftsabbrüche beim Statistischen Bundesamt gemeldet. Das sind im Schnitt rund 285 Frauen täglich — an jedem ganz normalen Tag.

Die tatsächliche Zahl liegt vermutlich etwas höher, da nicht alle Eingriffe vollständig erfasst werden — zum Beispiel solche, die im Ausland stattfinden.

Wie sich das entwickelt hat

Die gemeldete Zahl ist über die letzten zwei Jahrzehnte leicht gesunken: Ende der 1990er Jahre lagen die Zahlen noch bei über 130.000 pro Jahr. Dieser Rückgang hängt vor allem mit verbessertem Zugang zu Verhütungsmitteln zusammen — nicht damit, dass weniger Frauen in Konfliktsituationen geraten.

Abschnitt 2

Wann in der Schwangerschaft?

Früher als viele denken

Die meisten Entscheidungen werden früh getroffen. Das ist gut so — für das Körperliche, aber auch weil es mehr Optionen lässt.

ca. 27 %

Bis Ende der 6. SSW

ca. 55 %

7. bis 9. SSW

ca. 14 %

10. bis 12. SSW

ca. 4 %

Nach der 12. SSW

Das bedeutet: Über 80 Prozent aller Abbrüche finden in den ersten neun Schwangerschaftswochen statt. Und über 96 Prozent noch im ersten Trimester.

Abbrüche nach der 12. SSW sind fast immer mit einer medizinischen Indikation verbunden — einem gesundheitlichen Befund bei Mutter oder Kind, der erst spät festgestellt wurde.

Abschnitt 3

Wer sind diese Frauen?

Ein Bild, das sich nicht auf eine Gruppe reduzieren lässt

Es gibt kein typisches Profil. Schwangerschaftskonflikte betreffen Frauen aller Lebenssituationen.
  • Die meisten Frauen sind zwischen 25 und 34 Jahren alt — aber auch alle anderen Altersgruppen sind vertreten, von unter 18 bis über 45.
  • Viele haben bereits Kinder.
  • Viele sind in festen Beziehungen oder verheiratet.
  • Die Gründe sind fast immer vielschichtig — gesundheitlich, finanziell, beziehungsbezogen, beruflich, persönlich. Keine Zahl kann das abbilden.

Das Wichtigste: Hinter jeder dieser Zahlen steckt eine Frau, die abgewogen hat. Die eine Entscheidung getroffen hat, die für sie richtig war.

Abschnitt 4

Welche Methode wird genutzt?

Ein deutlicher Trend

Der medikamentöse Abbruch hat in den letzten Jahren stark zugenommen. 2022 entschieden sich rund 40 Prozent der Frauen für den medikamentösen Weg — vor zehn Jahren war dieser Anteil noch deutlich geringer.

Das spiegelt sowohl veränderte Zugangsmöglichkeiten als auch veränderte Präferenzen wider.

Abschnitt 5

Ein europäischer Blick

Deutschland im Kontext

Deutschland liegt mit seiner Abbruchrate im europäischen Mittelfeld. Länder wie Frankreich, die Niederlande und Schweden zeigen ähnliche Zahlen.

Was internationale Forschung eindeutig zeigt: Restriktivere Gesetze senken nicht die Zahl der Abbrüche. Sie senken die Sicherheit — weil Frauen dann auf unsichere Alternativen ausweichen müssen. Der Zugang zu einer sicheren Versorgung schützt Leben.

Abschnitt 6

Was diese Zahlen bedeuten

Jenseits der Statistik

Diese Zahlen sind kein Urteil. Sie zeigen: Ein Schwangerschaftskonflikt ist nichts Seltenes, nichts Außergewöhnliches, nichts, für das sich eine Frau schämen müsste.

Hinter jeder dieser Zahlen steckt eine Geschichte. Eine Frau, die abgewogen hat. Die eine Entscheidung getroffen hat. So wie du es gerade tust.

→ Was die Forschung über das langfristige Wohlbefinden nach einem Abbruch sagt: Wissenschaft

Quellenangaben & Stand

Stand: Juni 2026

Zuletzt geprüft: Juni 2026 — Statistische Daten werden jährlich aktualisiert. Aktuelle Zahlen findest du immer direkt bei Destatis.

  • Statistisches Bundesamt (Destatis): Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland 2022, Fachserie 12, Reihe 3 — destatis.de
  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Schwangerschaftsabbrüche — bzga.de
  • WHO & Guttmacher Institute: Adding It Up: Investing in Contraception and Maternal and Newborn Health (2022) — guttmacher.org
  • WHO: Abortion care guideline (2022) — who.int
  • BMFSFJ: ELSA-Studie — Erfahrungen von Frauen mit Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland (2022)